Fachbeiträge

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Gastbeitrag – Wert und Verkäuflichkeit eines Unternehmens

Soll ein Unternehmen verkauft werden, ist die Ermittlung des Unternehmenswerts erforderlich. Entscheidend ist hierbei der Marktwert. Dieser lässt sich mit verschiedenen Methoden bestimmen, die Dir Philipp Gübeli im folgenden Blog erläutert.

Meist sind es die Verkaufsgedanken, ausgelöst durch den bevorstehenden Ruhestand oder den Wunsch einer beruflichen Veränderung, welche den Inhaber eines KMU dazu bewegen, den Marktpreis seines Unternehmens wissen zu wollen. Dies ist im Falle eines börsenkotierten Unternehmens einfacher, denn der Unternehmenswert setzt sich grundsätzlich aus dem Gesamtwert aller Aktien zusammen. Da aber KMU, welche mehr als zwei Drittel der Unternehmen in der Schweiz ausmachen, in den allerwenigsten Fällen an der Börse notiert sind, ist der Firmenwert nicht so einfach ersichtlich und bestimmbar.

Bei Kapitalgesellschaften gibt es eine einfache gesetzliche Grundlage bei der Unternehmensbewertung. Denn jeder Anteilsscheininhaber muss diesen als Teil seines Vermögens bei der Steuerbehörde angeben. Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz umfasst die Wegleitung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer. Diese Wegleitung regelt die Kriterien zur Unternehmensbewertung von Kapitalgesellschaften und wird von Unternehmerinnen und Unternehmern vielfach auch als erster Anhaltspunkt bei einer Firmenbewertung verwendet. Zudem regelt OR Art. 957 ff. die Vorgaben zur Buchführung. Diese Zahlen liefern meist die Grundlage für eine Unternehmensbewertung. Allerdings bildet der so errechnete Wert in den wenigsten Fällen den realen Unternehmenswert ab. Denn es ist durchaus zulässig, die finanzielle Situation einer Firma negativer darzustellen, als dass sie in Wirklichkeit ist. Damit zeigt sich die Krux bei dieser Form der Unternehmensbewertung. Während der Verkäufer gerne sein Unternehmen und die damit verbundene Finanzsituation in einem hervorragenden Licht darstellen will, sind die verfügbaren Zahlen meist nicht zielführend und bedürfen einer Bereinigung. Der Käufer ist hingegen vor allem an einer realitätsgetreuen Abbildung der Geschäftstätigkeiten interessiert und will vor allem eines nicht: zu viel für die Firma zu bezahlen. Somit verhält es sich beim Unternehmensverkauf wie bei den meisten frei handelbaren Güter: der Markt entscheidet schliesslich über den Preis.

So wird der Marktwert eines Unternehmens berechnet

Wenn nun grundsätzlich der Markt über den Verkaufspreis entscheidet, ist es umso wichtiger diesen Marktwert bereits bei der Unternehmensbewertung gezielt abzubilden. In der Theorie gibt es verschiedene Methoden zur Ermittlung des Firmenwertes, welche sich entweder auf den Ertrag oder die Substanz konzentrieren. Ertragswertmethoden legen ihren Fokus auf zukünftige Ertragsgrössen wie Gewinne, Free Cashflows oder Risiken. Dabei stützen sie sich auf Planrechnungen, Markt- sowie Branchenanalysen. Die Substanzwertmethode hingegen bewertet das Vermögen und die Verbindlichkeiten. Dabei stützt sie sich hauptsächlich auf die Bilanz und orientiert sich somit im Gegensatz zu den Ertragswertmethoden nur an der Vergangenheit. Zudem sollten für eine aussagekräftige Unternehmensbewertung Multiples einbezogen werden, welche sich an aktuellen Marktdaten orientiert und beispielsweise von tatsächlich realisierten Transaktionen herangezogen werden kann. Grundsätzlich erfolgt die Einschätzung des Marktwerts eines KMU in zwei Etappen.

Die erste Etappe ist die klassische Unternehmensbewertung. Dabei werden zuerst Informationen zur Firma zusammengetragen. Dazu grundlegendes Zahlenmaterial wie die Bilanz- und Erfolgsrechnung, Kontendetails und Wareninventur verwendet. Diese Geschäftszahlen werden anschliessend bereinigt. Auf Basis all dieser Daten und Informationen kann schlussendlich mittels der passenden Bewertungsmethoden der Unternehmenswert berechnet werden. Zusätzlich spielen aber auch qualitative Faktoren eine wichtige Rolle. Das hängt damit zusammen, dass quantitative Grössen wie der Jahresumsatz ohne Miteinbezug des Geschäftsmodells wenig aussagekräftig für die zukünftige Rentabilität eines Unternehmens sind. Denn ob es sich beim zu bewertenden KMU um ein vierjähriges Start-up handelt oder um ein 70-jähriges Familienunternehmen, hat eine entscheidende Bedeutung für die Interpretation des vorhandenen Zahlenmaterials und somit auch für den Marktpreis. Auch gibt es Unternehmen, bei denen der Kundenstamm ein Grossteil des Werts ausmacht. Das betrifft insbesondere Firmen, die Beratungsdienstleistungen anbieten (bspw. Reiseberatungen oder Coaching). Andererseits braucht es auch hier wieder qualitative Faktoren für die Gewichtung und Interpretation der daraus erhaltenen Zahlen: Erstens die Kundenloyalität (einmalige vs. wiederkehrende Kunden), zweitens die Abhängigkeit der Kunden bzw. deren Ausweichmöglichkeiten auf andere Anbieter (bspw. Rahmenverträge) und drittens die Kundenkonzentration respektive Klumpenrisiken (auf wie viele unterschiedliche Kunden verteilt sich der Umsatz). Zudem kommen zusätzlichen Informationen zur Organisation der Firma (z. B. Mitarbeiterfluktuation, Inhaberabhängigkeit), zu Lieferanten (auch hier herrschen Klumpenrisiken), zum technologischen Know-How sowie zur Marktentwicklung eine grosse Bedeutung zu.

Die zweite Etappe, welche der Marktpreiseinschätzung ihre eigentliche Aussagekraft gibt, ist der Abgleich der Ergebnisse aus der klassischen Bewertung mit tatsächlich erzielten Marktpreisen. Dazu werden die Verkaufspreise von Unternehmen mit ähnlichen Parametern bezüglich Grösse und Branche wie das zu bewertende KMU hinzugezogen. Auf dieser Grundlange kann schlussendlich eine realistische, auf dem Markt plausibilisierte Marktpreis-Bandbreite für das betreffende KMU ermittelt werden.

Mit einem Transaktionsspezialisten zum Erfolg

Die Berechnung eines realistischen Marktwerts für eine Firma ist nur auf Basis von realen Transaktionsdaten möglich. Im KMU-Bereich sind solche Daten jedoch kaum öffentlich verfüg- oder einsehbar. Deshalb lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Beratungsunternehmen, welches über die entsprechenden Informationen verfügt und den theoretischen Unternehmenswert für die aktuelle Marktsituation plausibilisieren kann. Nur so erhalten Sie eine realistische Kaufpreisbandbreite, die heute für Ihr Unternehmen erzielt werden kann, ohne dass Sie es zum Verkauf ausschreiben müssen und dabei die verschiedenen Anspruchsgruppen aufschrecken.

Dies ist ein Gastbeitrag von Philipp Gübeli der Business Transaction AG. Herzlichen Dank Philipp für diese spannenden Zeilen!

Hast Du noch Fragen zum Thema Unternehmensverkäufe? Zögere nicht uns zu kontaktieren.

AUTOR

Philipp Gübeli

Business Transaction AG

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